Trainiert Ihr noch oder lebt Ihr schon mit Hund?

Da mag der ein oder andere sich denken, hm was für eine komische Frage. Ich trainiere meinen Hund und natürlich lebe ich auch mit meinem Hund was soll das denn?

 

Ich stelle diese Frage in den Raum da ich immer wieder den Eindruck gewinne das oft versucht wird den Hund abzurichten, statt ihn zu erziehen.

 

Aber wenig Ursachenforschung betrieben wird, warum die Probleme überhaupt entstanden sind.

 

 

 

Was bedeutet es denn einen Hund zu erziehen?

 

 

 

Laut Wikipedia bedeutet das Wort Erziehung:

 

„Das Wort erziehen geht auf irziohan (herausziehen) zurück und nimmt unter dem Vorbild des Wortes educare (lateinisch für großziehen, ernähren, erziehen) bald die Lernbedeutung jemandes Geist und Charakter bilden und seine Entwicklung fördern“.

 

 

 

Fördere ich eine Entwicklung und forme ich einen Charakter indem ich dem Hund Befehle gebe wie Sitz! Platz! Fuß! Hier! Bleib! Schau! Weiter! und Komm!?

 

Das mag alles seine Berechtigung haben, aber ist er damit erzogen? Oder forme ich seinen Charakter indem ich Leckerli werfend durch die Gegend laufe und versuche den Hund durch Ablenkung und sonstige Manöver dazu zu bringen etwas zu unterlassen?

 

Wo bleiben da die Wertschätzung und der Respekt für das Lebewesen?

 

Ein Hund ist ein hoch soziales Lebewesen, welches sich uns gerne anschließt, insofern wir bereit sind auch seine Bedürfnisse zu erfüllen.

 

Die Bedürfnisse eines Hundes sind sicherlich nicht 5 Liegeplätze, 20 Spielzeuge, aufgezwungene Sozialkontakte und jeden Tag bis zum Anschlag mit Leckerlies (natürlich in verschiedenen Variationen) vollgestopft zu werden.

 

Dies dient lediglich der Manipulation und ist keine Erziehung.

 

Worin besteht das Problem, einem Hund ganz klar zu sagen: „Nein das möchte ich nicht“, da es in der Umwelt, in der wir uns bewegen nicht tragbar ist.

 

Ich denke das Problem dabei ist, dass der Mensch Angst hat. Angst davor, dass der Hund ihn nicht mehr liebt, wenn er ihm klare Grenzen setzt; denn geliebt zu werden ist ein Grundbedürfnis jedes Menschen.

 

Hunde brauchen Struktur, Hunde brauchen klare Grenzen, Hunde brauchen eine rote Linie, Hunde brauchen Konsequenz und einen Rahmen; so wie Kinder auch.

 

 

 

Die Probleme mit unseren Hunden kommen sicherlich nicht von der klaren Erziehung und auch mal einen Leinenruck macht keinen Hund kaputt, sondern von dem Versuch, alles vermeintlich Negative wegzulassen und Konflikten soweit als möglich aus dem Weg zu gehen.

 

Das wird nicht funktionieren!

 

Konfliktfähigkeit ist ein wichtiges Kriterium um sich als Entscheidungsträger zu etablieren. Wer dem eigenen Hund gegenüber nicht konfliktfähig ist wird von Ihm nicht als Entscheidungsträger anerkannt werden. Somit kann er weder Respekt noch Vertrauen gegenüber seinem Halter entwickeln.

 

Denn der Hund kann daraus nur einen Schluss ziehen:

 

Frauchen oder Herrchen sind unsicher, also muss ich das regeln. Und genau das tun viele Hunde, regeln, weil wir es nicht tun. Weil wir sie in die Verantwortung schicken, nach vorne, in den unbeaufsichtigten Garten, an die Haustüre und, und, und.

 

Das ist dann aber nicht mehr in unserem Sinn, ja was nun? Wie soll ein Hund das noch verstehen?

 

 

 

Vielleicht könnten wir einfach mal versuchen wieder eine solide Basis im Sinne von Bindung und Beziehung zu unseren Hunden zu schaffen die den ganzen Tag bestand hat und nicht nur wenn wir vermeintlich „trainieren“.

 

Eine solide Basis ist der Grundstein für ein entspanntes Zusammenleben mit unseren Hunden.

 

 

 

In diesem Sinne wünsche ich ein schönes Rest Wochenende, euer Team der Tierpsychologie Freiburg

 

 

 


 

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